Montag, Juli 10, 2006

Whac-A-Mitbewohner

Da! Da war wieder einer. Habt ihr den gesehen? Nicht? Hab ich mir den jetzt eingebildet?

Meine Mitbewohner sind schwer zu finden. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass sie schwer zu hören sind. Nein, sie machen keinen Lärm und die lauteste Musik kommt doch wohl immer noch aus meinen Boxen, aber man kann sie hören, jawohl. Sie reden. Ich kann nur nicht sagen, was sie reden. Sie sprechen in fremden Zungen.

Man kann sie auch riechen. Nicht sie selbst, aber sie hinterlassen Spuren. In der Küche. Auf dem Klo. Meist riecht beides irgendwie ähnlich oder ich kann für einen Moment nicht entscheiden, was ich lieber riechen möchte.

Halt, war da…ach, nein. Ist da doch jemand? Mh.

Manchmal sehe ich eine verhuschte Gestalt auf dem Flur. Morgens, beim Duschen. Ich singe ein fröhliches „Guten Morgen“ in Richtung des Schattens. Die Kreatur drückt sich näher an die Wand und krächzt ein leises „morgen“. Herrje.

Es liegt wohl auch an mir. Ja, bestimmt tut es das sogar. Ich koche nicht in der Küche und tagsüber bin ich auch nicht da. Abends dann im Zimmer. Aber merkwürdig ist es dennoch. Das Haus hat zwei Etagen à 20 Zimmer. Es sollten also knapp 40 Personen hier durch die Gänge rennen, aber die Person, mit der ich bislang am meisten zu tun hatte, war die Putzfrau.

Da, in der Küche. Ich stelle mich mal dumm.
„Wo kann man denn hier am Besten das Spiel heut Abend schauen?“
-„Was?Hä?“
„Das Spiel. Wo kann man das denn hier in Düsseldorf gut schauen? Ich bin erst vor zwei Tagen eingezogen…“
Die Antwort kommt aus der anderen Ecke der Küche. Es sind also zwei. Hui. So ein Zufall.
-„In Altstadt. In Altstadt.“
Der Körper, der zur Stimme gehört, steht auf und drückt sich an mir vorbei durch die Tür. Er verschwindet im Halbdunkel des Flures.
„Dann geh ich da mal hin…“
-„Ja.“

Meine Nachbarin ist wohl Engländerin. Oder Amerikanerin. Oder Australierin. Oder Kanadierin. Oder Gottweiswas. Jedenfalls hat sie mir mal die Tür aufgehalten. Die Haustür, wo ich schwer beladen vom Einkauf zurückkam. Sie war in Begleitung eines Deutschen, der kein „th“ aussprechen konnte. Jedenfalls meinte er zu ihr in zischenden, gebrochenen Lauten, man könne sich doch demnächst mal öfter treffen und etwas unternehmen. Ich sah ihm kurz in die Augen, als ich ein PET-Packet voll Wasser die Treppe hinaufschleppte. Er blitzte mich an. 'Verfick dich Alter. Die gehört mir.’ Na dann halt dich mal ran, mein Junge. Aber wehe, ihr werdet laut in der Nacht. Dann klopf ich nämlich bei euch an der Tür. „Könnt ihr auch leise ficken?“

Im Netzwerk gibt es neben eher unspannenden arabischen Musikdateien auch Fotos einer hageren Osteuropäerin im Familienurlaub zu sehen. Shared Documents. Ah. Sie studiert Humanmedizin. Mh. Dabei sieht sie nach Drogen aus. Vielleicht ist eine Uniklinik ein günstiger Ort um…ach, ich sollte nicht so viel unterstellen. Gesehen habe ich sie noch nicht. Ihr Musikgeschmack ist sehr seltsam. Wer hört denn bitte noch aktiv „East 17“? Ich habe Angst, dass ihr durchweg grimmig dreinblickender, bäriger Freund, der sicherlich mehrere Jahre in einer Armee des ehemaligen Warschauer Paktes gedient hat, rüberkommt und mir eine reinhaut. Ich lass das wohl besser mal sein.

Ich denke die ganze Zeit an dieses Spiel. Da, wo man auf Tiere draufhaut. Das Spiel wo die Tiere aus ihren Löchern kommen und wieder verschwinden, sobald man versucht, sie mit einem Hammer zu erwischen. Na, die Sache mit dem Hammer mal außen vor. So in etwa ist es hier.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

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