Wo ja grad "300" in den in den Kinos anläuft, bei dem die Effekte sehenswert sind, aber auch wirklich nur die, fiel mir beim Betrachten dieser Wenige-gegen-viele-Schlacht ein anderer Film ein, der schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat.
Mal wieder Morgen. Das Ohr scheppert noch nach und beschwert sich mit mittellautem Piepen. Wieder die Hörschwelle ein wenig nach unten korrigiert. Sei’s drum, dann hab ich wenigstens eine Ausrede, wenn ich im Alter ein wenig schwerhöriger werde als die Vergleichsgruppe.
Schuld an meiner eingeschränkten auditiven Wahrnehmung ist Bochum. Nicht direkt Bochum, aber von da komme ich, denn da habe ich vor wenigen Stunden eine Reise in meine eigene Vergangenheit unternommen, indem ich mit vielen anderen Menschen zu lauter Musik der Helden meiner Jugend auf ausgelassene Art und Weise herumhopste. Es spielten zum Tanz auf:
1. Will Haven. Aufgelöst und wiedervereinigt, leider mit neuem Sänger. Da war der Alte aber besser. Außerdem merkt man, dass sich das Material über die letzten Jahre dank Bandauflösung nicht unbedingt weiterentwickelt hat. Außerdem recht anstrengend, über längere Zeit. Gut sie mal gesehen zu haben, aber dann ist auch irgendwann gut.
Will Haven - Carpe Diem
2. Deftones. Darf ich sagen, dass ich Fan der ersten Stunde war? Nein, das wäre gelogen. Beim zweiten Album hatten sie mich. Zu „Around The Fur“ bin ich immer zur Schule gelaufen, „White Pony“ (von Achim bekommen) hat mir einen Urlaub versaut und „Deftones“ schepperte auf meinen Automixtapes immer in der ein oder anderen Form durch dieser Musik unwürdige Lautsprecher. Dann war auch irgendwo Ende…
…bis gestern Abend. Mein lieber Schwan. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so ausgelassen durch einen Konzertsaal gehüpft bin. Auch wenn sich sämtliche Bandmitglieder mittlerweile eine prächtige Wampe stehen lassen haben, das mit dem Spielen klappt noch ganz hervorragend und sowas macht ja außerdem sympathisch, denn was Rockstars dürfen, dürfen wir auch.
Ein wenig betrübte mich der Eindruck, schon langsam zum alten Eisen zu gehören, denn trotz meiner gefühlten sechzehn Lenze waren da doch jede Menge junger Herren, deren Alternativbärtchen noch sorgsam gezüchtet anstatt radikal zurechtgestutzt schienen. Aber so lange die Band noch älter ist als man selbst, ist es wohl in Ordnung. In diesem Fall sogar schwer in Ordnung.
Dem ein oder anderen ist vielleicht schon die technische Neuerung aufgefallen, die sich dort rechts am semiprominenter Position tummelt, also dort, wo eigentlich ein Blogroll hingehört. Nun, ich habe mich bei Twitter angemeldet, meiner neuen Lieblingslangsamseite im Internet. Damit wird der Mensch also noch bescheuerter gläserner und das soll mir zur Sozialkritik auch reichen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wofür das gut sein soll, aber da wird sich schon etwas finden. 140-Zeichen-Haikus zum Beispiel. Fest steht jedenfalls, dass das eine Spitzenerfindung ist und ich jetzt schon nicht mehr weiß, was ich ohne anstellen würde.
Also. Flugs bei Twitter anmelden und immer schön lieb sein, denn dann, ja dann können wir Freunde werden.
Es macht ja wenig Sinn zu leugnen, dass sich der Laden in den letzten Tagen in ein Linkblog verwandelte. Schuld daran ist mein alter Gegenspieler namens Diplomarbeit, der um das Haus streunt, manchmal Kratzspuren an der Tür hinterlässt und in der Nacht laut heult, damit er mehr von mir bekommt als nur ein mildes Lächeln und einen Platz auf dem Abstellgleis in meinem Gedächtnis.
Es sind noch drei Wochen in denen Text entstehen sollte und ich nicht nur Tagträumen nachhängen darf. Darum wird erstmal nicht viel mehr als eben dieses Linkblog stattfinden. Mal ganz abgesehen davon: Wer will schon lesen, wie ich den Frühling durch zwei dreckige Kellerfenster erlebe und mir insgeheim wünsche, es würden sich die Unwetter der nächsten Jahre auf die nächsten drei Wochen konzentrieren? Ich denke niemand.
Jetzt also Sparflamme. Sparflamme bedeutet aber nicht, dass sich ein Besuch nicht lohnt. Wenigstens hoffe ich das.