Samstag, Juli 15, 2006

Rupert vs. Rupert

Gestern bekam ich eine spaßige Email.

Sehr geehrter Herr Rupert,
vielen Dank für Ihre Bewerbung als Praktikant (m/w) Vodafone live! Mobile Games, MobileTV und Mobile Entertainment bei der Vodafone D2 GmbH.
Aufgrund der Vielzahl der Bewerbungen haben wir eine Vorauswahl getroffen, nach deren Abschluss wir Ihnen leider mitteilen müssen, dass wir Sie bei der Besetzung der ausgeschriebenen Position nicht in die engere Wahl nehmen können.
Wir freuen uns, wenn Sie mit Ihrem Profil in unserem Talent-Pool registriert bleiben.
Mit freundlichen Grüßen
Vodafone D2 GmbH
Ihr Recruiting-Team
Wenn die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut. Jetzt bin ich schon seit zwei Wochen bei Vodafone und habe den Verfasser der Email vermutlich sogar schon einmal getroffen. Aber gut. Die Mühlen der Bürokratie mahlen ein wenig langsam. Womöglich habe ich mich sogar selbst aus dem Rennen geworfen? Jetzt also Talent-Pool. Super.

Dienstag, Juli 11, 2006

Episodenfilm II

Selten erfuhr man weniger über die Motive. Selten war das Ende erschreckender. "Elephant" ist meine Filmempfehlung des Tages.

Montag, Juli 10, 2006

Whac-A-Mitbewohner

Da! Da war wieder einer. Habt ihr den gesehen? Nicht? Hab ich mir den jetzt eingebildet?

Meine Mitbewohner sind schwer zu finden. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass sie schwer zu hören sind. Nein, sie machen keinen Lärm und die lauteste Musik kommt doch wohl immer noch aus meinen Boxen, aber man kann sie hören, jawohl. Sie reden. Ich kann nur nicht sagen, was sie reden. Sie sprechen in fremden Zungen.

Man kann sie auch riechen. Nicht sie selbst, aber sie hinterlassen Spuren. In der Küche. Auf dem Klo. Meist riecht beides irgendwie ähnlich oder ich kann für einen Moment nicht entscheiden, was ich lieber riechen möchte.

Halt, war da…ach, nein. Ist da doch jemand? Mh.

Manchmal sehe ich eine verhuschte Gestalt auf dem Flur. Morgens, beim Duschen. Ich singe ein fröhliches „Guten Morgen“ in Richtung des Schattens. Die Kreatur drückt sich näher an die Wand und krächzt ein leises „morgen“. Herrje.

Es liegt wohl auch an mir. Ja, bestimmt tut es das sogar. Ich koche nicht in der Küche und tagsüber bin ich auch nicht da. Abends dann im Zimmer. Aber merkwürdig ist es dennoch. Das Haus hat zwei Etagen à 20 Zimmer. Es sollten also knapp 40 Personen hier durch die Gänge rennen, aber die Person, mit der ich bislang am meisten zu tun hatte, war die Putzfrau.

Da, in der Küche. Ich stelle mich mal dumm.
„Wo kann man denn hier am Besten das Spiel heut Abend schauen?“
-„Was?Hä?“
„Das Spiel. Wo kann man das denn hier in Düsseldorf gut schauen? Ich bin erst vor zwei Tagen eingezogen…“
Die Antwort kommt aus der anderen Ecke der Küche. Es sind also zwei. Hui. So ein Zufall.
-„In Altstadt. In Altstadt.“
Der Körper, der zur Stimme gehört, steht auf und drückt sich an mir vorbei durch die Tür. Er verschwindet im Halbdunkel des Flures.
„Dann geh ich da mal hin…“
-„Ja.“

Meine Nachbarin ist wohl Engländerin. Oder Amerikanerin. Oder Australierin. Oder Kanadierin. Oder Gottweiswas. Jedenfalls hat sie mir mal die Tür aufgehalten. Die Haustür, wo ich schwer beladen vom Einkauf zurückkam. Sie war in Begleitung eines Deutschen, der kein „th“ aussprechen konnte. Jedenfalls meinte er zu ihr in zischenden, gebrochenen Lauten, man könne sich doch demnächst mal öfter treffen und etwas unternehmen. Ich sah ihm kurz in die Augen, als ich ein PET-Packet voll Wasser die Treppe hinaufschleppte. Er blitzte mich an. 'Verfick dich Alter. Die gehört mir.’ Na dann halt dich mal ran, mein Junge. Aber wehe, ihr werdet laut in der Nacht. Dann klopf ich nämlich bei euch an der Tür. „Könnt ihr auch leise ficken?“

Im Netzwerk gibt es neben eher unspannenden arabischen Musikdateien auch Fotos einer hageren Osteuropäerin im Familienurlaub zu sehen. Shared Documents. Ah. Sie studiert Humanmedizin. Mh. Dabei sieht sie nach Drogen aus. Vielleicht ist eine Uniklinik ein günstiger Ort um…ach, ich sollte nicht so viel unterstellen. Gesehen habe ich sie noch nicht. Ihr Musikgeschmack ist sehr seltsam. Wer hört denn bitte noch aktiv „East 17“? Ich habe Angst, dass ihr durchweg grimmig dreinblickender, bäriger Freund, der sicherlich mehrere Jahre in einer Armee des ehemaligen Warschauer Paktes gedient hat, rüberkommt und mir eine reinhaut. Ich lass das wohl besser mal sein.

Ich denke die ganze Zeit an dieses Spiel. Da, wo man auf Tiere draufhaut. Das Spiel wo die Tiere aus ihren Löchern kommen und wieder verschwinden, sobald man versucht, sie mit einem Hammer zu erwischen. Na, die Sache mit dem Hammer mal außen vor. So in etwa ist es hier.

Kollisionen

Gestern sah ich "Crash". Ein wirklich sehr sehr feiner Film.
An dieser Stelle meine uneingeschränkte Empfehlung.

Samstag, Juli 08, 2006

Samstag 8. Juli. Bergen, Norwegen

"Hey, sprichst du deutsch? Do you speak german?"

Der Mann, der auf mich zukam, wollte eindeutig mein Geld.
Ob ich deutsch spreche? Ah, die Kamera...okay. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich die Kopfhörer aus meinen Ohren nahm, obwohl ich ihn auch so gut verstand.
- "Ja. Schon."
"Also hier äh...musst...mir ja nichts abkaufen...äh...aber..."
Der Ausweis an seiner Brust erklärte schneller, als er es konnte. Er verkaufte eine Obdachlosenzeitung.
"...also ich...ähh..."
- "Sind vierzig Cent okay?", ich kramte nach nicht silbernem Kleingeld. "Die Zeitung kannst du dann noch jemand anderes verkaufen."
"Jaja, klar. Guter Mann, guter Mann."
- "Dann noch einen schönen Tag."
"Schönen Tag - guter Mann, guter Mann."
Er begegnete mir später am Tag noch einmal und murmelte wieder etwas vom "guten Mann".

"Sprichst du deutsch?"
Hm. Warum eigentlich immer gleich die Karten auf den Tisch legen? Es wird Zeit für eine zweite Identität. "Nils Rupert" hat bei Google neben all dem, was ich selbst zustandegebracht habe noch zwei schwedische Einträge. Ein Schwede also? Hm. Zu plakativ. Ich habe seither aus unbekannten Gründen ohnehin mehr für Norwegen übrig. Ein Norweger also? Ja, fein.

Ich bin Norweger
Ich bin Nils Rupert, bin 25 Jahre alt und komme aus Bergen. Das liegt im Südwesten, direkt am Meer. Ich studiere Meeresbiologie. Momentan mache ich ein Auslandsemester in Kiel.
Mein Vater wollte immer, dass ich Schiffbau studiere. Das hat er auch getan und er sagt immer, dass es das richtige gewesen sei, um die Familie durchzubringen. An Meeresbiologie war das Meer selbst schuld - und mein Großvater. Er nahm meinen Bruder und mich an einem Sonntag im Monat mit ins Aquarium und erklärte uns die Tiere, wie sie leben, was sie fressen. Das waren schöne Sonntage.
Nach Kiel bin ich gegangen, um nach der Sache mit Mia einen klaren Kopf zu bekommen. Am Anfang war es nicht leicht, weil ich nur ein wenig Deutsch aus der Schule konnte. Aber viele Leute sind sehr nett und ausgesprochen hilfsbereit, wenn es mal mit der Sprache nicht so klappt.
Ich besuchte meinen älteren Bruder Magnus, der in Düsseldorf wohnt. Er ist Bänker und in den letzten Jahren haben wir uns ein wenig aus den Augen verloren, nachdem er wegen Anna nach Deutschland gegangen ist. Das ist jetzt vier Jahre her.
Ich wohne seit zwei Wochen bei den beiden und wir verstehen uns prächtig. Tagsüber, wenn er arbeitet, laufe ich durch die Stadt und mache Fotos. Abends kochen wir dann zusammen und es gibt eine Menge zu lachen und zu erzählen. Ich kann meine Mutter nicht verstehen, die noch immer etwas gegen Anna hat. Vermutlich glaubt sie, sie hätte ihr den Sohn weggenommen. Das stimmt aber so nicht, wie ich jetzt weiß.
Ich bin Nils Rupert, bin 25 Jahre alt und komme aus Bergen.
Na, wenn das nichts ist.

Kings Of Convenience - Failure

Mittwoch, Juli 05, 2006

"Ihr habt die Haare schön, ihr habt die..."


Was ein Abend. Ich ging in die Altstadt, um das Halbfinale zu sehen. Etwa auf halbem Wege wurde dann aus dem aktiven "gehen" ein passives "gegangen werden". Es war unglaublich voll. Dieser Umstand, zusammen mit der Tatsache, dass alle Sitzplätze im Kilometerumkreis schon seit Stunden belagert wurden, ja sogar reserviert werden konnten, machte die Sache nicht angenehmer. Ich suchte mir einen Platz, von dem aus ich aus etwa zwanzig Meter Entfernung auf eine Minileinwand schielen konnte, und sah das Spiel der beiden Achsenmächte Fußballnationen mit einem halben Auge, weil das andere entweder mit den Haaren des Vordermannes, oder dessen ausgeatmeten Rauch rang.
Der Ausgang des Spiels ist bekannt und ich stahl mich nach mühsam erstandenen 120min Schauspielzeit davon. Ich verzichtete darauf, Bilder von deutschen Fans zu machen, um einer Prügelei möglichst aus dem Wege zu gehen. ("Will sich einer mit mir schlagen? Scheiße! Da hab ich jetzt verflucht Bock drauf!")
Meine Suche nach freudetrunkenen Italienern sollte erst nach knapp einer Stunde belohnt werden. Auf der Köbrücke versammelten sich etwa 100 Menschen um dort nach allen Regeln der Kunst herumzutoben. Ich spielte Fotograf und log sogar jemanden an, der wissen wollte, wo er denn die Bilder finden könne. Das war nicht sehr nett von mir.
Die Strafe folgte auf dem Fuß. Zunächst musste ich knapp eine halbe Stunde auf die letzte S-Bahn des Tages warten, dann gesellte sich ein Ehepaar in den Fünfzigern dazu. Die Frau schaffte es, sich eine geschlagene Viertelstunde über die Italiener zu beschweren. Auszugsweise Gesprächshighlights? Bitte sehr:
"Also, da kann man doch jetzt Anzeige erstatten, wo die doch so einen Lärm machen."
- "Sie hätten sich ja auch nicht beschwert, wenn die Deutschen hier laut hupend herumgefahren wären."
"Aber irgendwas muss man da doch machen können. Was meinst du, Heinz?"
Heinz meinte nichts. Heinz hatte ohnehin sehr wenig zu melden, weil der Alkohol sich in seinem Kopf meldete.
"Da müssen wir einfach aufhören, in Pizzerien und so zu gehen. Was sagst du, Heinz?"
Heinz schwieg eisern.
"Gibt eh viel zu viele Pizzerien hier."
Ja, so ging das. Als nach ihrem ganzen Nazigewäsch endlich die S-Bahn kam, atmete ich erleichtert auf. Doch mein Glück sollte mich erneut verlassen. Auf halber Strecke meldete der Zugführer stolz, dass er nun nicht mehr die normale Strecke, sondern direkt ins Depot fahren würde. Großartig. So lief ich etwa drei Kilometer, indem ich den Bahngleisen folgte, zurück zum Wohnheim, wo ich ankam, kurz bevor meine Beine abfallen wollten.

Montag, Juli 03, 2006

Rundlauf



Heute war ein schöner anstrengender Tag. Ich verließ mein Verließ und ging los. Planlos. Ich ging geradeaus, wenn ich geradeaus gehen wollte, ich bog rechts ab, wenn ich nach rechts wollte und nach links, wenn mir der Sinn danach stand. Bald musste ich herausfinden, dass man tatsächlich im Kreis läuft, wenn man sich kein wirkliches Ziel setzt.
Darum bestieg ich eine Straßenbahn Richtung Altstadt, wobei mir eine Omi half. An der Haltestelle erkundigte ich mich bei ihr, ob dies denn nun die richtige S-Bahn sei.
"Ach, sind se nicht von hier?
- "Nee. Praktikum. Heute erster Tag in Düsseldorf."
"Ja, da müssen se noch ein bisschen warten. Kommt gleich der, auf den se warten."
- "Okay. Dann warte ich."
"Ich fahr ja auch mit der gleichen Linie."

Ich schüttelte sie dann durch mein ungeschicktes Suchen nach dem Fahrkartenautomaten ab. Als sie die Bahn verließ, dachte ich, es wäre mit einem dankbaren Lächeln getan, doch weit gefehlt. Als sie an mir vorbeischritt, brüllte sie quer durch den ganzen Wagen.
"Also noch zwei Stationen, die übernächste. Die jetzt und dann noch eine. Dann müssen se aussteigen."
Juhu. Ich hatte mich gerade mit meiner Außenansicht als cosmopolitischen, musikhörenden Großstadtgalans angefreundet und dann kam das. Ich grinste die Gucci-Wasserstoffblondine von Gegenüber entschuldigend an, nur um mich in der Hornissensonnenbrille zu spiegeln.

Im Folgenden rannte ich knapp sechs Stunden bei brüllender Hitze durch Düsseldorf, nach gleichem Schema wie bereits erläutert. So kam ich auch an mehreren Orten zwei oder gar dreimal vorbei.
Einmal verstaute ich die Kamera vorsichtshalber im Rucksack, weil ich in eine kriminell schäbig aussehende Wohnwagensiedlung kam.
Ein anderes Mal bewunderte ich eine junge Dame, die, ähnlich wie ich, mit Teleobjektiv bewaffnet andere Menschen fotografierte. Da jedoch sowohl Kamera, Blitz, als auch Objektiv deutlich teurer waren als meine Ausrüstung, hielt ich sie für eine Professionelle. Dagegen sprachen ihre hochhackigen Schuhe und die Einkaufstasche, in die sie irgendwo auf der Kö teure Dinge verpackt hatte.

Die Ergebnisse des Tages sind:
  • ein paar schlechte Fotos und ein paar gute Fotos
  • die Erkenntnis, dass ich eine kleinere Kamera brauche
  • ein schicker Sonnenbrand auf der Nase
  • der Wunsch nach einer Lösung für gekühlte Getränke für unterwegs
  • ein durchgeschwitztes T-Shirt mit lecker Salzrändern am Rücken
  • das schummrige Gefühl, was sechs Stunden Ozon, Sonne und Abgase bescheren
  • die neue Liebe zu meinem MP3-Player
  • die Tatsache, dass Elliott Smith sich wunderbar zum Stadterkunden eignet


Elliott Smith - Angeles

Sonntag, Juli 02, 2006

Going nowhere fast



Woah! Huiuiuiui... Ich geriet soeben in Verzückung, als ich die Geschwindigkeit des Netzes testete. Damit kann ich das ganze Internet an einem Abend runterladen. Super.
Nicht so super ist, dass 500MB etwa 1,10€ kosten. Aus Geiz werde ich daher meinem Firefox befehlen, keine Bilder, Videos und sonstige großen Dinge zu laden. Nur noch Quelltext, der Rest ist Fantasie.

"Wir wissen wo du wohnst!"



Düsseldorf also. Das ist sie nun, meine kleine Villa Kunterbunt. Fertig eingerichtet ist auch schon. Wenn es aufhört, so unfassbar heiß zu sein, reite ich aus und erkunde die umliegenden Ländereien.

1:0

Ein Abend mit Felix und Niko,
einer Überraschung auf dem Platz,
halbvollen Gläsern und überlaufenden Fässern,
viel Morgen und ein wenig Gestern,
Einsichten, Draufsichten und Aussichten,
innerer Leere und Zukunftsplänen,
Spatzen in Händen und Farbe an Wänden,
Zeit, Raum und was man daraus macht,
großen Träumen und einfachem Leben,
nackten Frauen und dem was soll
und dem was muss.

Vielen Dank.