Montag, Juli 03, 2006

Rundlauf



Heute war ein schöner anstrengender Tag. Ich verließ mein Verließ und ging los. Planlos. Ich ging geradeaus, wenn ich geradeaus gehen wollte, ich bog rechts ab, wenn ich nach rechts wollte und nach links, wenn mir der Sinn danach stand. Bald musste ich herausfinden, dass man tatsächlich im Kreis läuft, wenn man sich kein wirkliches Ziel setzt.
Darum bestieg ich eine Straßenbahn Richtung Altstadt, wobei mir eine Omi half. An der Haltestelle erkundigte ich mich bei ihr, ob dies denn nun die richtige S-Bahn sei.
"Ach, sind se nicht von hier?
- "Nee. Praktikum. Heute erster Tag in Düsseldorf."
"Ja, da müssen se noch ein bisschen warten. Kommt gleich der, auf den se warten."
- "Okay. Dann warte ich."
"Ich fahr ja auch mit der gleichen Linie."

Ich schüttelte sie dann durch mein ungeschicktes Suchen nach dem Fahrkartenautomaten ab. Als sie die Bahn verließ, dachte ich, es wäre mit einem dankbaren Lächeln getan, doch weit gefehlt. Als sie an mir vorbeischritt, brüllte sie quer durch den ganzen Wagen.
"Also noch zwei Stationen, die übernächste. Die jetzt und dann noch eine. Dann müssen se aussteigen."
Juhu. Ich hatte mich gerade mit meiner Außenansicht als cosmopolitischen, musikhörenden Großstadtgalans angefreundet und dann kam das. Ich grinste die Gucci-Wasserstoffblondine von Gegenüber entschuldigend an, nur um mich in der Hornissensonnenbrille zu spiegeln.

Im Folgenden rannte ich knapp sechs Stunden bei brüllender Hitze durch Düsseldorf, nach gleichem Schema wie bereits erläutert. So kam ich auch an mehreren Orten zwei oder gar dreimal vorbei.
Einmal verstaute ich die Kamera vorsichtshalber im Rucksack, weil ich in eine kriminell schäbig aussehende Wohnwagensiedlung kam.
Ein anderes Mal bewunderte ich eine junge Dame, die, ähnlich wie ich, mit Teleobjektiv bewaffnet andere Menschen fotografierte. Da jedoch sowohl Kamera, Blitz, als auch Objektiv deutlich teurer waren als meine Ausrüstung, hielt ich sie für eine Professionelle. Dagegen sprachen ihre hochhackigen Schuhe und die Einkaufstasche, in die sie irgendwo auf der Kö teure Dinge verpackt hatte.

Die Ergebnisse des Tages sind:
  • ein paar schlechte Fotos und ein paar gute Fotos
  • die Erkenntnis, dass ich eine kleinere Kamera brauche
  • ein schicker Sonnenbrand auf der Nase
  • der Wunsch nach einer Lösung für gekühlte Getränke für unterwegs
  • ein durchgeschwitztes T-Shirt mit lecker Salzrändern am Rücken
  • das schummrige Gefühl, was sechs Stunden Ozon, Sonne und Abgase bescheren
  • die neue Liebe zu meinem MP3-Player
  • die Tatsache, dass Elliott Smith sich wunderbar zum Stadterkunden eignet


Elliott Smith - Angeles

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